Wilhelm Tell · Friedrich Schiller · Erster Aufzug, zweite Szene

Gertrud Stauffacher: „Mein lieber Herr und Ehewirth!“

Figuren
Gertrud Stauffacher
Länge
147 Wörter, 1 Min. laut gesprochen
 
Frauenrolle
 
Drama

Die Situation

Vor Stauffachers Haus in Steinen. Ihr Mann grübelt seit Tagen; der Landvogt hat ihm gedroht, ihm das Haus zu nehmen. Gertrud stellt ihn zur Rede: Was ihn drückt, soll er mit ihr teilen. Eine Frau, die nicht tröstet, sondern mitdenkt, und die Erste, die zum Aufstand rät.

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Der Text

Gertrud StauffacherMein lieber Herr und Ehewirth! Magst duEin redlich Wort von deinem Weib vernehmen?Des edeln Ibergs Tochter rühm ich mich,Des viel erfahrnen Mann’s. Wir Schwestern saßen,Die Wolle spinnend, in den langen Nächten,Wenn bei dem Vater sich des Volkes HäupterVersammelten, die Pergamente lasenDer alten Kaiser, und des Landes WohlBedachten in vernünftigem Gespräch.Aufmerkend hört’ ich da manch kluges Wort,Was der Verständge denkt, der Gute wünscht,Und still im Herzen hab ich mirs bewahrt.So höre denn und acht’ auf meine Rede,Denn was dich preßte, sieh das wußt ich längst.– Dir grollt der Landvogt, möchte gern dir schaden,Denn du bist ihm ein Hinderniß, daß sichDer Schwytzer nicht dem neuen FürstenhausWill unterwerfen, sondern treu und festBeim Reich beharren, wie die würdigenAltvordern es gehalten und gethan. –Ists nicht so Werner? Sag es, wenn ich lüge!

Text: de.wikisource.org. Gemeinfrei. Ausgabe: Schiller, Wilhelm Tell, Cotta, Tübingen 1804 (Transkription: Wikisource). Text herunterladen

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