Dantons Tod · Georg Büchner · Vierter Akt

Lucile: „Es ist doch was wie Ernst daran“

Figuren
Lucile
Länge
154 Wörter, 1 Min. laut gesprochen
 
Frauenrolle
 
Drama

Die Situation

Eine Gasse. Camille, Luciles Mann, ist mit Danton zum Tod verurteilt. Lucile versucht zu begreifen, was Sterben heißt, und setzt sich auf den Boden, um zu schreien, damit alles stehen bleibt. Es bleibt nichts stehen. Büchners leiseste Szene vom Verlust.

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Der Text

LucileEs ist doch was wie Ernst daran. Ich will einmal nachdenken. Ich fange an, so was zu begreifen. Sterben — Sterben —! — Es darf ja Alles leben, Alles, die kleine Mücke da, der Vogel. Warum denn er nicht? Der Strom des Lebens müßte stocken, wenn nur der eine Tropfen verschüttet würde. Die Erde müßte eine Wunde bekommen von dem Streich. — Es regt sich Alles, die Uhren gehen, die Glocken schlagen, die Leute laufen, das Wasser rinnt, und so Alles weiter bis da, dahin! — Nein, es darf nicht geschehen, nein, ich will mich auf den Boden setzen und schreien, daß erschrocken Alles stehn bleibt, Alles stockt, sich nichts mehr reget. (Sie setzt sich nieder, verhüllt sich die Augen und stößt einen Schrei aus. Nach einer Pause erhebt sie sich.) Das hilft nichts, das ist noch Alles wie sonst, die Häuser, die Gasse, der Wind geht, die Wolken ziehen. Wir müssen’s wohl leiden.

Text: www.deutschestextarchiv.de. Gemeinfrei. Ausgabe: Büchner, Danton’s Tod, Sauerländer, Frankfurt am Main 1835 (Text nach dem Deutschen Textarchiv). Text herunterladen

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