Der zerbrochne Krug · Heinrich von Kleist · Siebenter Auftritt
Gerichtsstube in Huisum. Frau Marthe klagt wegen eines zerbrochenen Kruges und beschreibt dem Gericht erst einmal, was der Krug war: die ganze niederländische Geschichte auf einem Stück Ton. Ein Paradestück für komische Wut, vor einem Richter, der selbst der Täter ist.
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Frau Marthe RullNichts seht ihr, mit Verlaub, die Scherben seht ihr;Der Krüge schönster ist entzwei geschlagen.Hier grade auf dem Loch, wo jetzo nichts,Sind die gesammten niederländischen ProvinzenDem span’schen Philipp übergeben worden.Hier im Ornat stand Kaiser Carl der fünfte:Von dem seht ihr nur noch die Beine stehn.Hier kniete Philipp, und empfing die Krone:Der liegt im Topf, bis auf den Hintertheil,Und auch noch der hat einen Stoß empfangen.Dort wischten seine beiden Muhmen sich,Der Franzen und der Ungarn Königinnen,Gerührt die Augen aus; wenn man die EineDie Hand noch mit dem Tuch empor sieht heben,So ist’s, als weinete sie über sich.Hier im Gefolge stützt sich Philibert,Für den den Stoß der Kaiser aufgefangen,Noch auf das Schwerdt; doch jetzo müßt’ er fallen,So gut wie Maximilian: der Schlingel!Die Schwerdter unten jetzt sind weggeschlagen.Hier in der Mitte, mit der heil’gen Mütze,Sah man den Erzbischof von Arras stehn;Den hat der Teufel ganz und gar geholt,Sein Schatten nur fällt lang noch übers Pflaster.Hier standen rings, im Grunde, Leibtrabanten,Mit Hellebarden, dicht gedrängt, und Spießen,Hier Häuser, seht, vom großen Markt zu Brüssel,Hier guckt noch ein Neugier’ger aus dem Fenster:Doch was er jetzo sieht, das weiß ich nicht.
Text: de.wikisource.org. Gemeinfrei. Ausgabe: Kleist, Der zerbrochne Krug, dtv, München 1997 (Transkription: Wikisource). Text herunterladen
Der zerbrochne Krug · Heinrich von Kleist
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