Die Räuber · Friedrich Schiller · Vierter Akt, zweite Szene
Ein unbekannter Graf ist im Schloss zu Gast, und Amalia sieht ihn an, wie sie sonst niemanden ansieht. Vor dem Porträt seines Bruders erkennt Franz: Der Fremde ist Karl. Er redet sich die Angst aus dem Leib und das nächste Verbrechen herbei. Der Monolog vor dem Bild, ungekürzt.
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in tiefen Gedanken
Franz MoorWeg mit diesem Bild! weg, feige Memme! was zagst du und vor wem? ist mirs nicht die wenige Stunden, die der Graf in diesen Mauren wandelt, als schlich immer ein Spion der Hölle meinen Fersen nach – Ich sollt ihn kennen! Es ist so was groses und oft gesehenes in seinem wilden sonnverbrannten Gesicht, das mich beben macht – auch Amalia ist nicht gleichgültig gegen ihn! Läßt sie nicht so gierig schmachtende Blicke auf dem Kerl herumkreuzen, mit denen sie doch gegen alle Welt sonst so geizig thut? – Sah ichs nicht, wie sie ein Paar diebische Tränen in den Wein fallen lies, den er hinter meinem Rüken so hastig in sich schlürfte, als wenn er das Glas mit hineinziehen wollte. Ja das sah ich, durch den Spiegel sah ichs mit diesen meinen Augen. Holla Franz! siehe dich vor! dahinter steckt irgend ein Verderben schwangeres Ungeheuer! Er steht forschend dem Portrait Karls gegen über. Sein langer Gänsehals – seine schwarzen Feuerwerfenden Augen hm! hm! – sein finsteres überhangendes buschichtes Augenbraun. Plözlich zusammenfahrend – schadenfrohe Hölle! jagst du mir diese Ahndung ein? Es ist Karl! ja! izt werden mir alle Züge wieder lebendig – Er ists! truz seiner Larve! – Er ists! truz seiner Larve! – Er ists – Tod und Verdammniß! auf und ab mit heftigen Schritten. Hab ich darum meine Nächte verpraßt, – darum Felsen hinweggeräumt, und Abgründe eben gemacht – bin ich darum gegen alle Instinkte der Menschheit rebellisch worden, daß mir zulezt dieser unstete Landstreicher durch meine künstlichsten Wirbel tölple – Sachte! Nur sachte! Es ist nur noch Spielarbeit übrig – Bin ich doch ohnehin schon biß an die Ohren in Todsünden gewatet daß es Unsinn wäre zurükzuschwimmen, wenn das Ufer schon so weit hinten liegt – Ans Umkehren ist doch nicht mehr zu gedenken – die Gnade selbst würde an den Bettelstab gebracht, und die unendliche Erbarmung, bankerot werden wenn sie für meine Schulden all gut sagen wollte – Also vorwärts wie ein Mann – Er schellt – Er versammle sich zu dem Geist seines Vaters und komme, der Toden spott ich. – Daniel! he Daniel! – Was gilts den haben sie auch schon gegen mich aufgewiegelt? Er sieht so geheimniß voll.
Text: de.wikisource.org. Gemeinfrei. Ausgabe: Schiller, Die Räuber, Erstdruck, Frankfurt und Leipzig 1781 (Transkription: Wikisource). Text herunterladen
Die Räuber · Friedrich Schiller
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